Migration in a changing climate. Towards a translocal social resilience approach

Patrick Sakdapolrak, Sopon Naruchaikusol , Kayly Ober, Simon Peth, Luise Porst, Till Rockenbauch, Vera Tolo

In: DIE ERDE, Vol. 147, No. 2, 81-94.

Abstract

Climate change and migration are drawing increasing interest from researchers and policy makers as well as fromthe general public. While in the beginning a simplistic and geo-deterministic comprehension of the environmentalimpact on human mobility had dominated the discussion, the framing of the relationship has recently become moredifferentiated. Vast empirical evidence derived from rural livelihoods research clearly shows that migration is animportant strategy of households when dealing with multiple risks, including environmental stress. This has led tothe growing acknowledgement of the idea of "migration as adaptation" in migration-environment research. We considerthis conceptual development an important step for a better understanding of this nexus. Nonetheless, migrationas adaptation has several shortcomings. Firstly, it is narrowly focused on migration as an adaptive response toenvironmental risks and neglects the significant impact of other forms of migration. Secondly, it does not cover otherdimensions of how people, communities and societies deal with environmental change: a blind eye is all too oftenturned to processes of resilience building. Thirdly, migration as adaptation has been found to be interpreted in a waywhich justifies migration policies with neo-liberal tendencies. In order to overcome such drawbacks, we propose anapproach that integrates translocality and social resilience. In this paper we thus introduce the concept of translocalsocial resilience and reflect on its conceptual implications. We will thereby show how this approach can improve theunderstanding of the migration-environment nexus, and how it can also shape the concept of migration as adaptation,allowing for nuanced and critical views on the dynamics in the migration-environment context.

Zusammenfassung

Der Zusammenhang zwischen Migration und Klimawandel stößt in Wissenschaft und Politik sowie in der allgemeinen Öffentlichkeit auf zunehmendes Interesse. Ein zunächst vereinfachtes und geo-deterministisches
Verständnis von Umwelteinflüssen auf Bevölkerungsbewegungen weicht zunehmend differenzierten Darstellungen des Nexus zwischen Migration und Klimaveränderungen. Zahlreiche empirische Studien zu ländlicher Entwicklung aus dem Bereich der „Livelihoods“-Forschung belegen die große Bedeutung von Migration als Strategie im Umgang mit unterschiedlichen Risiken, einschließlich umweltbedingter Stressfaktoren. Daraus resultierend hat sich in der Migration-Umwelt-Forschung das Konzept von Migration als Form der Anpassung („migration-as-adaptation“) etabliert, das jedoch diverse Schwächen aufweist. Zunächst zeichnet sich ein starker Fokus auf Migration als ausweichende Reaktion auf Umweltrisiken ab, wohingegen der entscheidende Einfluss anderer Migrationsformen weitgehend vernachlässigt wird. Maßnahmen, die auf Haushalts-, Gemeinde- und gesamtgesellschaftlicher Ebene zur Steigerung von Resilienz gegenüber Umweltveränderungen ergriffen werden, finden zudem wenig Berücksichtigung. Überdies lässt sich eine Auslegung des Konzepts beobachten, aus der sich die Forderung nach einer neo-liberalen Umgestaltung von Migrationspolitik ableiten lässt. Angesichts dieser kritischen Aspekte wird im vorliegenden Artikel „translokale soziale Resilienz“ als ein alternativer konzeptioneller Zugang zur Migration-Umwelt-Forschung vorgestellt. Dieses Konzept ermöglicht eine kritische Auseinandersetzung mit sozialer Resilienz, indem es Bourdieus Praxistheorie mit Konzepten zu „hazardscapes“ sowie zur sozialen Konstruktion von Ökosystemdienstleistungen verknüpft. Des Weiteren berücksichtigt translokale soziale Resilienz die Bedeutung sozialer Netze, welche die Verbundenheit von Migranten sowohl zu ihren Herkunftsgebieten als auch Zielorten widerspiegeln. Das Konzept translokaler sozialer Resilienz trägt dem dynamischen Charakter von Resilienz und Livelihoods insofern Rechnung, als,dass es die besondere Bedeutung sozialer Praktiken für die Aushandlung sozio-ökologischer Verflechtungen im relationalen Raum hervorhebt und dabei auf die wechselseitige Verbindung zwischen Ziel- und Herkunftsregionen von Migranten hinweist. Der Ansatz translokaler sozialer Resilienz zeichnet sich somit durch seine kritische Auseinandersetzung mit den Ursachen von Verwundbarkeit und den strukturellen Hemmnissen für die Resilienz translokaler Akteure in Zeiten eines sich wandelnden Klimas aus.

Landarbeiter beim Zuckerrohranbau in Nordostthailand
Landarbeiter beim Zuckerrohranbau in Nordostthailand (Quelle: S. Naruchaikusol/ TransRe)